Der Kunde: Amaro Amarill, Marillen-Amaro aus dem Vinschgau
David Frank ist Agronom aus dem Obervinschgau (Südtirol), ist auf einem Bauernhof mitten in den Obstwiesen aufgewachsen. 2025 wird sein langersehnter Traum endlich Wirklichkeit: einen Likör kreieren, der die Süße der Vinschger Marille und die herb-frischen Noten der Südtiroler Bergkräuter vereint. So entsteht Amaro Amarill. Und soll auch für den italienischsprachigen Markt sichtbar werden.
Das Projekt: italienische SEO Transcreation für die Website
Die Website, von der Kreativagentur i-kiu design ursprünglich auf Deutsch erstellt, soll ins Italienische übersetzt werden. Bald wird es allerdings klar: Eine gewöhnliche Übersetzung wird nicht genügen. Die deutschen Originalinhalte sind stark kulturell geprägt – und wären für die italienische Zielgruppe nur halb so wirksam.
Es braucht eine sprachliche und gleichzeitig eine kulturelle Adaption: eine Transcreation. Dazu sind auch SEO/GEO sowie die Textbefüllung im Backend gefragt.
Meine Arbeit im Detail
- Briefing mit der Agenturleiterin Franziska Heiß, dem Inhaber David Frank und dem Marketingmanager Thomas Tribus.
- Keywords- und Prompts-Recherche für den italienischen Markt.
- Transcreation ins Italienische der deutschen Originaltexte im gewünschten Tone-of-Voice, mit starken kulturellen Anpassungen von Texten und Claims.
- SEO on-page parallel zur Transcreation.
- Einpflege der italienischen Texte ins CMS (WordPress).
- Endkontrolle im finalen Layout vor dem Go-Live.
Herausforderungen und Lösungen
Die Optimierung für Suchmaschinen und KI-Recherchen stellt bei jedem Übersetzungsprojekt eine Herausforderung dar. Umso mehr, wenn das Ausmaß an Transcreation so groß ist: SEO/GEO, zielgruppenzentrierte Adaption und Tone-of-Voice müssen Hand in Hand gehen.
Wo genau war eine Transcreation notwendig? Welche kulturbedingten Inhalte mussten für das italienischsprachige Publikum angepasst werden? Hier einige Herausforderungen und wie ich sie angegangen bin.
1. Die Marille ist Hauptzutat und Namensgeberin, Italiener:innen jedoch unbekannt
istDie erste Hürde: die Vinschger Marille. Die lokale Aprikosensorte ist Hauptzutat und gleichzeitig auch Namensgeberin vom Amaro Amarill.
Die süddeutsche/österreichische/südtirolerische Bezeichnung für Aprikose ist im DACH-Raum bekannt und wird hinter dem Brand Name sofort erkannt. In Italien aber nicht: Marille ist als Wort weder bekannt noch irgendwie ableitbar. Die erste, kraftvolle Verbindung zur Marke könnte verloren gehen.
Die Lösung: Das Wort „Marille“ soll auf Italienisch erhalten bleiben, jedoch mit einigen gezielten Maßnahmen.
- Kleinschreibung: marille wird so quasi zu einem italienischen Wort, was Nähe schafft
- Kursiv: marille wirkt gleichzeitig exotisch, was Neugierde schafft.
- Erklärende Ergänzung, wo immer möglich: dadurch wird Wort nach und nach verinnerlicht, bis dessen Bedeutung auch für italienische Lesenden selbstverständlich wird.
Transcreation-Beispiel im Textblock
Transcreation-Beispiel im Hero-Text
Der Hero-Text auf der Home, also der Slogan ganz oben, soll catchy sein. Auf Deutsch erfolgt das über einen fiktiven Naming-Prozess, wobei italienisches Flair und Marille über die Technik der Alliteration (= Widerholung ähnlicher Laute) verschmelzen.
Meine Lösung auf Italienisch spielt auch mit Alliterationen, jedoch mit einem anderen Ansatz:
- Brand Name
- fiktive Rezeptur: Liebe und Marille
- Trinkgefühl: all dies spürt man vom ersten bis zum letzten Schluck.
2. Sehnsucht nach Italien wird zu Sehnsucht nach Südtiroler Bergen
Die deutschen Originaltexte spielen oft mit der typisch nordeuropäischen Sehnsucht nach Italien. Südtirol ist dabei der nächstgelegene Ort, der mit italienischem Flair assoziiert wird. Sonne, Dolce Vita, dolce far niente – all diese Formulierungen mögen zwar für die deutschsprachige Zielgruppe funktionieren, sind für Italiener:innen aber nicht nur irrelevant, sondern irritierend. Mit Südtirol bringen sie ganz andere Dinge in Verbindung.
Hier war eine kulturelle Adaption erforderlich. Eine Transcreation, die bei der italienischen Zielgruppe das gleiche Gefühl von Leichtigkeit aber auch von Ursprung erweckt. Aus der Sehnsucht nach Italien ist dabei die Sehnsucht nach Südtiroler Bergwelt geworden.
Ein Transcreation-Beispiel
3. Die italienische Zielgruppe hat andere Kulturhintergründe als Deutschsprachige
Die Originalinhalte auf Deutsch sind für die Vorkenntnisse der deutschsprachigen Zielgruppe konzipiert. Was ein Amaro ist, ist im DACH-Raum nicht überall bekannt – in Italien aber natürlich schon.
An solchen Stellen war wieder eine kulturelle Adaption, sprich Transcreation, erforderlich. Statt den Begriff Amaro zu erklären, wurde die Außergewöhnlichkeit eines fruchtigen Kräuterlikörs vorgestellt.
Ein Transcreation-Beispiel
Das Ergebnis
Die italienische Website von Amaro Amarill lässt Italiener:innen in die Bergwelt eintauchen, wo die Hauptzutat ihren Ursprung findet. Geschmack, Aromen, Trinkgefühl, Regionalität. Die italienische Zielgruppe fühlt sich abgeholt, so als wären die Inhalte extra für sie konzipiert und verfasst worden. Und genau das ist das Ziel einer Transcreation.
Was mein Kunde sagt
Für deine deutschsprachige Zielgruppe funktionieren deine Werbetexte wunderbar? Für Italiener:innen womöglich nicht. Eine Transcreator ist Übersetzerin und Texterin in einer Person – und weiß, was zu tun ist, um dein Produkt in Italien erfolgreich zu kommunizieren.